Was ist „Wer will Was von Wem Woraus?“

Wer will Was von Wem Woraus? Die Formel in der juristischen Prüfung (Zivilrecht).

Mehrheit von Personen:
Sowohl auf der Anspruchsteller- wie auf der Anspruchsgegnerseite können mehrere (natürliche oder juristische) Personen vorhanden sein. Hier ist zunächst eine Untergliederung nach den Personen auf der Seite der Anspruchsteller oder Kläger vorzunehmen. Innerhalb der Prüfung der Ansprüche einer Person ist dann nach den verschiedenen Personen auf der Seite der Anspruchsgegner zu unterscheiden. Es muss unbedingt eine Aufteilung in Zweipersonenverhältnisse erfolgen!

(z.B.: G1 und G2 machen jeweilig Ansprüche gegen S1 und S2 geltend:

A. Ansprüche des G1
I. Ansprüche gegen S1
II. Ansprüche gegen S2

B Ansprüche des G2
I. Ansprüche gegen S1
II. Ansprüche gegen S2)

Mehrheit von Anspruchszielen:

Innerhalb eines Zweipersonenverhältnisses können verschiedene Anspruchsziele in Betracht kommen. Neben einem Anspruch auf Schadensersatz kann z.B. nach Nutzungsersatz oder Herausgabe gefragt werden.
Diese verschiedenen Anspruchsziele müssen getrennt behandelt werden.

Anspruchsgrundlagen:

Hier hilft letztlich nur der Blick in das Gesetz. Bei der Suche nach passenden AGL muss neben dem Anspruchsziel immer berücksichtigt werden, dass die Vorschrift ihrem Wesen nach auch „echte“ AGL und nicht nur z.B. bloße Zurechnungsvorschrift (§ 278 BGB) ist oder lediglich feststellenden Charakter hat (§ 903 BGB). zu prüfen sind immer nur diejenigen Anspruchsgrundlagen, die ernsthaft für eine Lösung in Betracht kommen. Hierzu muss der Sachverhalt Anlass bieten.

Das Gutachten (siehe Gutachenstil)

Wenn mehrere Fragen gestellt sind, müssen diese in der angegebenen Reihenfolge beantwortet werden. Dies gilt selbst dann, wenn diese Reihenfolge nicht ausdrücklich vorgeschrieben ist.

Da ein juristisches Gutachten immer auch eine Abwägung zwischen Rechten und Gegenrechten beinhaltet, richtet sich der Aufbau einer jeden Bearbeitung nach folgendem Grundmuster:

Gedankliche Frage
Art des möglichen Gegenrechts
Beispiele
1. Schritt
Anspruch entstanden?
Rechtshindernde Einwendung
(Wirksamkeitshindernis)
Formnichtigkeit, § 125 BGB
Geschäftsunfähigkeit,
§§ 104, 105 BGB
Sittenwidrigkeit, § 138 BGB
Verstoß gegen gesetzliches Verbot, § 134 BGB
2. Schritt
Anspruch
untergegangen?

bzw.
Anspruch
übergegangen?
rechtsvernichtende Einwendung
Erfüllung, § 362 I BGB (Normalfall)
Unmöglichkeit,
§ 275 I-III BGB
Anfechtung,
§ 142 I BGB
Abtretung, § 398 BGB (rechtsgeschäftlich)
Ausgleich unter Gesamtschuldnern,
§ 426 II BGB (gesetzlich)
3. Schritt
Anspruch durchsetzbar?
rechtshemmende
Einrede

Verjährung, §§ 194ff. BGB
(peremptorisch = dauerhaft)
Stundung
(dilatorisch = aufschiebend)

Diese drei Schritte kann man auch im Gutachten an den entsprechenden Stellen ausdrücklich hinschreiben, das zeigt ein grundlegendes Verständnis von juristischer Arbeitsweise.

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